Hintergründe
Klavierstadt Hannover

Zwei ganz unterschiedliche Konzertsäle und ein Ausbildungsinstitut von Weltrang: Hannover ist ein Traum für Tastenfans aus aller Welt.

Flügel von Steinway & Sons auf der Bühne der Elbphilharmonie Hamburg © Sebastian Madej/Deutsche Klassik

„Ich liebe die Lage des Sendesaals am Wasser. Es ist ein wunderbarer Ort für einen Klavierabend, weil man einfach sehr nah beieinander ist“, schwärmt der kanadische Pianist Jan Lisiecki von Hannovers denkmalgeschütztem NDR-Sendesaal mit seinem grandiosen Ausblick über den Maschsee. Und er ist nicht der einzige Tastenkünstler, für den Auftritte in dem markanten weißen Würfel fester Bestandteil des Konzertkalenders sind. Größen wie Igor Levit, Rudolf Buchbinder und die Brüder Lucas und Arthur Jussen gehören ebenfalls zu den regelmäßigen Gästen in dem Saal mit der fantastischen Akustik. 

Ich liebe die Lage des Sendesaals am Wasser. Es ist ein wunderbarer Ort für einen Klavierabend, weil man einfach sehr nah beieinander ist
Jan Lisiecki

Die Saison 2023/24 bildet hier natürlich keine Ausnahme: Im Rahmen der PRO MUSICA-Reihe Fokus Klavier sind einmal mehr Stars aus aller Welt in Hannover zu Gast. Den Anfang macht im Oktober der Isländer Víkingur Ólafsson, der sich in dieser Saison ausschließlich Bachs monumentalen Goldberg-Variationen widmet. Khatia Buniatishvili wiederum hat sich mit Komponisten wie Franz Liszt und Sergej Prokofjew echte Schwergewichte der Klavierliteratur aufs Programm gesetzt. Jan Lisiecki malt mit Préludes von Johann Sebastian Bach bis Frédéric Chopin das vielfarbig schimmernde Klangporträt einer ganz besonderen Gattung. Und natürlich wäre eine PRO MUSICA-Saison nicht komplett ohne Altmeister Grigory Sokolov – der uns wie üblich mit Spannung erwarten lässt, für welches Programm er sich in seinem Konzert im April entscheiden wird.

Großer Sendesaal des NDR © Sebastian Madej/Deutsche Klassik
Großer NDR Sendesaal © Sebastian Madej/Deutsche Klassik

Doch auch in unseren weiteren Abonnement-Zyklen kommen Klavierfans auf ihre Kosten. Im B-Abo, in dem sich alles um herausragende Solist:innen dreht, zeigt Bruce Liu mit einem Programm von Jean-Philippe Rameau über Maurice Ravel bis Liszt, dass er nicht umsonst zu den vielversprechendsten Talenten seiner Generation gehört. Zudem darf man sich auf Ausnahmekünstlerin Hélène Grimaud freuen, die gemeinsam mit der Camerata Salzburg gleich zwei Klavierkonzerte aufs Programm setzt: Mozarts bahnbrechendes d-Moll-Konzert KV 466 und Robert Schumanns zutiefst romantisches Konzert in a-Moll.

Herausragende Solist:innen

Übrigens ist der Sendesaal des NDR nur ein Grund für Klavierstars aus aller Welt, immer wieder in die Stadt an der Leine zurückzukehren. Grund Nummer zwei: der neoklassische Kuppelsaal – der größte Konzertsaal Deutschlands. Unter den Augen der goldglänzenden Lichtgöttin, die innen über dem Eingang prangt, gastieren hier im Rahmen der Reihe Internationale Orchester regelmäßig die weltweit besten Klangkörper und ergänzen so das hannoversche Klassik-Angebot um eine Facette von beachtlicher künstlerischer Strahlkraft. Und auch hier sind natürlich regelmäßig herausragende Solist:innen mit von der Partie, die das Publikum mit virtuosen Spitzenleistungen und hochexpressiven Interpretationen begeistern. In der Saison 2023/24 macht Hélène Grimaud den Anfang, die gemeinsam mit dem London Philharmonic Orchestra unter seinem Chefdirigenten Edward Gardner Johannes Brahms’ tiefgründiges erstes Klavierkonzert interpretiert. Alice Sara Ott ist mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra und Beethovens grandiosem drittem Klavierkonzert zu Gast. 

Kuppelsaal Hannover © Frank Aussieker
HCC Kuppelsaal © Frank Aussieker

Und auch die georgische Virtuosin Khatia Buniatishvili kehrt im April 2024 in den Kuppelsaal zurück, um ihre Zuhörer:innen gemeinsam mit dem Taiwan Philharmonic und Pjotr Iljitsch Tschaikowskys hochromantischem erstem Klavierkonzert in berauschende Klangwelten zu entführen. Einen besonderen Platz auf den Bühnen Hannovers und in den Herzen des hiesigen Publikums schließlich nimmt Igor Levit ein, der sich bei seinem Konzert mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter Alan Gilbert auf ein Heimspiel in der Stadt freut, in der er selbst vor nicht allzu langer Zeit studiert hat.

Hochschule für Musik, Theater und Medien

Womit wir beim dritten Grund wären, warum Hannover von der deutschen Klavierlandkarte längst nicht mehr wegzudenken ist: die Hochschule für Musik, Theater und Medien. Das Weltrenommee der institutseigenen Klavierklasse prägte über Jahrzehnte – genau genommen von 1963 bis zu seinem Tod im Jahr 2012 – der legendäre Karl-Heinz Kämmerling, der neben Igor Levit weitere Größen wie Lars Vogt, Alice Sara Ott oder Ragna Schirmer ausbildete. Igor Levit erinnert sich bis heute gern an die prägenden Jahre, die er als Jungstudent am Institut für Frühförderung (IFF) der Hochschule in Hannover verbrachte. "Ohne Zweifel kann ich sagen, dass die drei Jahre am IFF eine absolut existenzielle Zeit für mich waren. […] Es war diese Herausforderung, dieses Kennenlernen von Musik, dieses Sprechen über Musik, Diskutieren über Musik, ja auch Streiten über Musik (das konnte schon mal ruppig werden) – es war diese Kommunikation, die entscheidend war, und die ich heute als unverzichtbar betrachte. Man lernte zu respektieren, zu kennen und in Verbindung damit zu lieben: Danke hierfür auf ewig!"

[...] Es war diese Herausforderung, dieses Kennenlernen von Musik, dieses Sprechen über Musik, Diskutieren über Musik, ja auch Streiten über Musik [...]
Igor Levit

Und so ist es wohl kein Wunder, dass Igor Levit selbst gern die Gelegenheit ergriff, genau diese Leidenschaft und Liebe zur Musik als Professor für Klavier in Hannover an die nächste Pianist:innengeneration weiterzugeben.
Auch diese ist übrigens in einer eigenen Aboreihe bei PRO MUSICA vertreten: Talente entdecken heißt der Zyklus, in dem man die Stars der Zukunft im Kleinen Sendesaal des NDR bereits heute kennenlernen kann.

 

Dazu gehören in dieser Saison gleich zwei Studenten der Hochschule in Hannover: Das ist zum einen der aus Österreich stammende Levit-Schüler Lukas Sternath, der 2022 beim ARD-Musikwettbewerb nicht nur einen beeindruckenden Sieg, sondern auch noch sage und schreibe sieben Sonderpreise einheimsen konnte. Nicht weniger vielversprechend ist das Talent des Ukrainers Illia Ovcharenko, der aktuell den Masterstudiengang Klavier in Hannover bei Arie Vardi belegt. Mit seinem Landsmann Dmytro Choni und dem Kanadier Kevin Chen, der Anfang April 2023 den ersten Preis bei der legendären Arthur Rubinstein Competition gewann, ist der Reigen der diesjährigen Talente komplett – und Hannover einmal mehr ein Ort, an dem die Klavierkunst in all ihren Facetten einen besonderen Platz auf den Bühnen und in den Herzen des Publikums einnimmt. 

Oktober 2023
Freitag, 13. Oktober 2023 | 19:30 Uhr | NDR, Großer Sendesaal
Víkingur Ólafsson

Bach: Goldberg-Variationen

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Dienstag, 31. Oktober 2023 | 17:00 Uhr | NDR, Kleiner Sendesaal
Lukas Sternath

Werke von Schubert, Brahms und Prokofjew

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November 2023
Freitag, 10. November 2023 | 19:30 Uhr | HCC, Kuppelsaal
London Philharmonic Orchestra

Edward Gardner | Hélène Grimaud

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Dezember 2023
Donnerstag, 14. Dezember 2023 | 19:30 Uhr | NDR, Großer Sendesaal
Khatia Buniatishvili

Werke von Mozart, Liszt und anderen

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Januar 2024
Dienstag, 16. Januar 2024 | 19:30 Uhr | NDR, Kleiner Sendesaal
Kevin Chen

Werke von Mendelssohn Bartholdy, Chopin, Tschaikowsky und Schumann

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Februar 2024
Samstag, 24. Februar 2024 | 19:30 Uhr | NDR, Großer Sendesaal
Jan Lisiecki

Préludes

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Sonntag, 18. Februar 2024 | 19:30 Uhr | HCC, Kuppelsaal
NDR Elbphilharmonie Orchester

Alan Gilbert | Igor Levit

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März 2024
Samstag, 16. März 2024 | 19:30 Uhr | NDR, Großer Sendesaal
Bruce Liu

Werke von Rameau, Chopin, Ravel und Liszt

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Mittwoch, 06. März 2024 | 19:30 Uhr | HCC, Kuppelsaal
City of Birmingham Symphony Orchestra

Kazuki Yamada | Alice Sara Ott

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April 2024
Sonntag, 21. April 2024 | 19:30 Uhr | NDR, Großer Sendesaal
Grigory Sokolov

Werke von Bach, Chopin und Schumann

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Donnerstag, 11. April 2024 | 19:30 Uhr | HCC, Kuppelsaal
Taiwan Philharmonic

Jun Märkl | Khatia Buniatishvili

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Dienstag, 16. April 2024 | 19:30 Uhr | NDR, Kleiner Sendesaal
Illia Ovcharenko

Werke von Scarlatti, Bach, Liszt und Schumann

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Juni 2024
Donnerstag, 13. Juni 2024 | 19:30 Uhr | NDR, Großer Sendesaal
Hélène Grimaud

Camerata Salzburg | Giovanni Guzzo

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