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  • Auf den Spuren der Vergangenheit - Hans Ulrich Schmid

    04.02.2021

    Hans Ulrich Schmid wurde 1926 in Hamburg geboren.
    Aufgrund der kriegszeitlichen Entwicklungen begann für ihn der Ernst des Lebens schon in den frühen Jahren seiner Jugend. Flakhelfer, Marine-Schule, berittene Artillerie und viele weitere Positionen später kehrte er erst im Sommer 1945 zu seinen Eltern, die inzwischen in München lebten, zurück.

    Hier begann er sein Klavierstudium und absolvierte dieses in den darauffolgenden Jahren in München, Zürich und Stuttgart. Doch Schmid wollte alles oder nichts. Seiner damaligen Auffassung nach „könne man jeden Beruf in einer achtbaren Mittelposition ausüben, aber als Künstler müsse man entweder der Erste sein, oder man sei gar keiner“. Nach der dieser Maxime folgenden Erkenntnis, kein wahrer Künstler zu sein, klopfte er schließlich bei Steinway & Sons an und fragte nach einer Lehrstelle. Hier begann Schmid im Alter von 24 Jahren eine kaufmännische Ausbildung. Zwar verließ er die Firma nach wenigen Jahren als Direktionsassistent bereits wieder, jedoch um die entscheidende Bekanntschaft mit dem ebenfalls aus einer Klavierhandelsfirma stammenden Alfred Döll reicher. Beide teilten den Wunsch, sich selbstständig zu machen. Und was zunächst als wilde Träumerei erschien, nahm schon bald darauf realistische Züge an. Nachdem Darlehenschancen und finanzielle Unterstützung hinreichend geklärt waren, erhob sich die Frage nach einem günstigen Standort. Aus der Korrespondenz mit einigen Klavierverkaufsvertretern in ganz Deutschland ergab sich Hannover als eine derzeitig „unterversorgte“ Stadt. Wochen und Monate intensiver Planung folgten, die in der Gründung des Klavierhaus Döll im Jahr 1957 gipfelten. In der Nähe der Marktkirche Hannover fanden Hans Ulrich Schmid und Alfred Döll die passende Immobilie für ihr Geschäft mit angegliedertem Schallplattenladen im Keller des Hauses. Als wesentliche Unterstützung des noch jungen Unternehmens stellten wichtige Klavierfabrikanten wie Steinway, Ibach und Schimmel Instrumente zur Verfügung, um im Schaufenster ein repräsentatives Warenlager vorzutäuschen. Es klappte! Die Aufmerksamkeit der hannoverschen Musikwelt ließ nicht lange auf sich warten, bald begrüßte das Klavierhaus Döll seine ersten Kunden.

    Schmid beschränkte sich jedoch nicht nur darauf, Instrumente zu verkaufen. Nebenbei veranstaltete er Klavierabende und schuf damit überzeugende Kaufanregungen. Ein ungeahntes Talent? Der Konzertveranstaltungsbetrieb und insbesondere die Künstlervermittlung schienen Hans Ulrich Schmid zu liegen. Und so gründete er im Jahr 1959 seine gleichnamige Konzertdirektion. Anfangs noch auf Künstler der näheren Umgebung Hannovers beschränkt, vertrat die Konzertdirektion Schmid schon bald Künstler wie Alexander Uninsky, Saltire Singers und Ruth Margret Pütz. 1961 konnte Schmid auf diese Weise 142 Konzerte mit von ihm vertretenen Künstlern organisieren.
    Schmid war bekannt dafür, dass er sich sehr für seine Künstler einsetzte. Dieser Ruf blieb nicht folgenlos. Erste Anfragen von ausländischen Agenturen kamen.

    „Noch heute frage ich mich manchmal, warum das so war. Die Antwort scheint mir gar nicht so kompliziert zu sein. Ich war als Mitbegründer und Mitinhaber eines Klaviergeschäfts wirtschaftlich zwar nicht auf Rosen gebettet, aber doch relativ unabhängig; ich hatte Musik studiert, kannte Musikliteratur und Künstler und wusste, worüber ich redete; ich war von Musik und dem Berufsfeld, das sich mir da eröffnete, besessen.“

    Im Jahre 1964 gründete Schmid, als Höhepunkt seiner persönlichen Arbeit, den Konzertzyklus PRO MUSICA, dessen erstes Konzert im Herbst desselben Jahres in der Eilenriedehalle stattfand. 1000 Besucher lauschten damals dem Stockholmer Symphonieorchester unter der Leitung von Sergiu Celibidache.

    Zentrum der Konzertdirektion Schmid blieb jedoch die Künstlervermittlung und eine stetig wachsende Tourneeabteilung in- und ausländischer Orchester.
    Am 01. Mai 1968 flog Hans Ulrich Schmid erstmalig nach Amerika und öffnete dort für die Zukunft wichtige Türen wie beispielsweise zu Carlos Moseley, dem General Manager der New Yorker Philharmoniker, zu Sir Rudolf Bing, der als Manager der Metropolitan Opera vorstand und diversen bedeutenden Agenturen, um nur einige zu nennen. In der Carnegie Hall lernte Schmid den General Manager des Boston Symphony Orchestra Todd Perry kennen, der ihn damit beauftragte, die Organisation für die Europa-Tournee in der Saison 1970/71 zu übernehmen. Die zahlreich geknüpften Kontakte hatten ihre Wirkung. In den darauffolgenden Jahren ergaben sich erste Tourneen mit Orchestern wie dem London Philharmonic Orchestra mit Georg Solti, dem London Symphony Orchestra sowie der Academy of St Martin in the Fields.

    Durch eine Korrespondenz mit der Agentur Hannagret Bueker für Musiktheater und Konzert vergrößerte sich ab 1976 auch die Gesangsabteilung zunehmend. Die Liste prominenter Namen erweiterte sich um Künstler wie Wolfgang Schoene, Doris Soffel und Edda Moser.

    In den 1960er Jahren war der Verband der Deutschen Konzertdirektionen bedeutender Protagonist der Konzertveranstaltungsbranche. Schmid hatte nur ein Problem: Er war noch kein Mitglied. Auch hier waren Kontakte von großem Wert: Der Kontakt zu Maria Goette, damalige Inhaberin der Konzertdirektion Dr. Rudolf Goette in Hamburg, den Schmid während seiner Zeit bei Steinway aufgebaut hatte, entpuppte sich als wertvolle Beziehung und Eintrittskarte in den Verband der Deutschen Konzertdirektionen.
    Dass Schmid viele Jahre später Mitinhaber der Konzertdirektion Dr. Rudolf Goette werden sollte, hat Maria Goette nicht mehr erlebt.

    1986 trat Cornelia Schmid, Tochter von Hans Ulrich Schmid, in die Künstlervermittlung ein und übernahm anschließend im Jahr 1994 die Geschäfte ihres Vaters nach dessen Austritt. 1988 übernahm die Konzertdirektion Schmid die Agentur Interartists in Amsterdam und legte damit den Grundstein für erste Unternehmungen im Ausland.

    Schmid starb am 3. August 2012 im Alter von 86 Jahren und bleibt in Erinnerung als „ein Mann mit Visionen und Pioniergeist, ein typischer Selfmademan und Unternehmer der Nachkriegszeit mit großem Gespür für musikalische Talente, dessen Urteil man vertraute und auf dessen Wort man sich verlassen konnte.“

    Bildergalerie

    Hans Ulrich Schmid als Junge am Klavier / Baustelle Klavierhaus Döll / Géza Anda und Hans Ulrich Schmid

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